Anonymous und der ominöse Jester

Freitag 10.12. 2010 by Web

Anonymous schlägt immer höhere Wellen. Nach erfolgreichen Angriffen auf Mastercard und Visa, war am gestrigen Tag api.paypal.com an der Reihe. Und wie soll man sagen, sie waren verdammt erfolgreich. Die Seite war durchgehend nicht zu erreichen. Auch hier habe ich das ganze wieder etwas im IRC mitverfolgt und war doch recht überrascht, wie hart einige Leute daran arbeiten, die Attacken zu koordinieren. So hat Paypal beispielsweise ständig ihre IP gewechselt, was die Angriffe natürlich oft ins leere laufen hat lassen. Dann musste also ersteinmal die neue IP eingeholt, in den Hive geschmissen und neu verteilt werden. Der IP wechsel hat zwar vermutlich nicht viel an stabilität gebracht, aber er hat die Anon-Truppen in Atem gehalten. Dennoch hat es nichts gebracht, die Seite war nicht zu erreichen.

Gestern Abend haben sich dann mehrere Meldungen breit gemacht, das ein 16 jähriger Niederländer festgenommen wurde, wegen DoS Angriffen auf Mastercard und Paypal und er hätte seinen Taten auch bereits gestanden. Selbstverständlich heißt es nun auch, das er zu Anon gehört und ein Teil von der Operation Payback sei, man glaube aber nicht, das er eine leitende Rolle in diesem Spiel hatte.

Hier mal ein paar Quellen, bevor ich mich dazu äußere:
n-tv.de, netzpolitik.org, businessinsider.com, bild.de, spiegel.de.

Wir resümieren mal. Ausländische Webseiten wurden von hunderten oder gar tausenden Rechnern aus gleichzeitig angegriffen und ein einzelner Junge soll nun geschnappt worden sein? So schnell? Quasi noch am selben Tag? Hmm…also erstmal müssten die Netzwerkadministratoren die IPs, die diese Angriffe gefahren haben an ihre Anwälte weiterleiten, diese müssen dann Strafanzeige stellen, bis ein Gericht die Herrausgabe der Daten über die IP fordert. Da es aber ein anderes Land ist, muss das ganze auf internationaler Ebene laufen. Dann muss ein nationales Gericht die Herrausgabe anordnen. Dann muss der ISP die Daten rausrücken, damit die Polizei mal losfahren kann, um besagten Übeltäter festzunehmen. Und dann wird auch nur der 16 jährige Junge festgenommen, nicht etwa die Eltern, die es auch hätten tun können. Und das alles immer noch in weniger als 24 Stunden? Kling unglaubwürdig, oder?
Für mich sieht das alles nach gezielter Propaganda aus. Macht den Leuten Angst, dann hören sie auch auf damit. Muss nur ich gerade an den Film Hackers denken?
Während ich hier schreibe kommen immer neuere Meldungen bei mir an. So sei z.B. der festgenommene niederländische Junge ein höheres Mitglied der Anon Organisation. Hierbei ist jedoch nichts bestätigt, es dürfte aber noch recht spannend werden, das ganze zu verfolgen.
Außerdem hat Netzpolitik.org zusammgentragen, welche strafrechtlichen Folgen das Herunterladen und Verwenden des von AnonOps verwendenten DDoS Programms Low Orbit Ion Canon (LOIC) haben kann.
Hier noch eine Meldung, das die Seite der Staatsanwaltschaft in Den Haag unter Beschuss geriet.

Nach den gestrigen Attacken auf Paypal, bzw dessen API Seite, wurde groß angekündigt, amazon sei das nächste Ziel. Dies war aber mehr oder weniger nur ein Test und dieser lief Erfolgreich. Nun versteht mich nicht falsch, nicht das Ziel anzugreifen war Erfolgreich, sondern die Auswirkungen auf die Medien und das Echo in der Presse. Kaum wurde eine Nachricht über Twitter veröffentlicht, hat sich das ganze wie auf Lauffeuer durch CNN, Spiegel und andere große Newsplattformen verbreitet. Anonymous weiß nun, sie haben die Aufmerksamkeit der Medien.
Auf einen Angriff auf Amazon kam es nicht, Anon selbst sagt, das ihre Ressourcen bisher dafür nicht ausreichen. Aber der Tag wird kommen! Die Angriffe fokusierten sich weiter auf Paypals API Seite. Erst in der heutigen Nacht oder am Morgen wurde das Ziel auf Moneybookers.com gewechselt, welche anscheinend auch eine “Zusammenarbeit” mit Wikileaks beendet haben.

Aber warum wurden so schnell die Rufe, amazon anzugreifen, so laut? Auf Amazon hat irgend ein Scherzkeks ein E-Book mit 5000 der von Wikileaks veröffentlichten Depeschen eingestellt und zum Kauf angeboten. Natürlich bezahlbar über Visa und MasterCard. Im ersten Moment klingt das wie ein Scherz, aber irgendwie konnte keiner darüber lachen. Auch fefe hat darüber berichtet und hat gleich wieder die Verschwörungstheorie gestrickt, das Amazon dahinter steckt.

Am gestrigen Abend hat Anonymous dann noch einen Brief in Videoform auf YouTube veröffentlicht.

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Jedoch kann auch hier daran gezweifelt werden, ob es etwas “offizielles” ist, oder nicht, denn rein theoretisch gibt es in der Anon Bewegung nichts offizielles. Aber auch hier ist das Medienecho wieder ganz ansehnlich.

Während Anonymous gegen anhaltende Attacken auf ihre Server kämpft, sowie versucht das Medienecho etwas zu verarbeiten, machen sich andere über sie lustig. Auf neowin.net ist ein Artikel aufgetaucht, der sich über Operation Payback lustig macht, da er behauptet, das die Befehlshierarchien, die bei Anon offensichtlich nicht vorhanden sind, nun zu ihrem Verhängnis werden und die Organisation stück für stück zusammenbricht. Einer der unzähligen Anonymous Twitter Accounts hat sich auch bereits dazu geäußert:

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Link zum Tweet

Während also an allen Fronten der Krieg tobt, hat sich nun auch mal die UNO zu der Wikileaks Sache geäußert:
netzpolitik.org, fefe
Ich lasse das ganze jetzt mal unkommentiert.

Am frühen Morgen habe ich dann auch noch diesen Artikel auf Boingboing.net entdeckt, der behauptet, das Anon nun aufhört DDoS Attacken zu fahren und stattdessen die von Wikileaks veröffentlichen Cables durchgeht und das veröffentlicht, über das bisher keiner gesprochen hat. Wäre an und für sich ja keine schlechte Idee, aber das ganze ist ein HOAX von 4chan. Operation Payback ist noch immer im vollen Gange, da werden vorerst keine Cables ausgewertet.
Auch Netzpolitik.org schreibt, das AnonOps nun einen Strategiewechsel vollzieht. Keinen scheint das “ROFLBOT” am Rand des Bildes zu irritieren. Na dann warten wir es mal ab.

Über wen man jedoch überhaupt nichts hört ist dieser mysteriöse “Jester”. Angeblich hat er DoS Attacken auf wikileaks.org gefahren und diese für über 24 Stunden lahmgelegt. Das ganze will er ohne Botnetz geschafft haben. Alles lediglich mit einem Tool, das er selbst entwickelt und niemals veröffentlich will. Er hat es “XerxeS” getauft. Vermutlich ist es ja eine Anspielung an den Gottkönig aus dem Film 300, welcher mit eine Millionen Persern aufgelaufen ist, um das kleine Griechenland zu erobern. Er behauptet zwar, das sein Programm völlig ohne Botnetze und Zombierechner auskommt, aber bewiesen ist noch lange nichts.

The Jeste verfügt über einen Twitteraccount über den aber eher sporadisch etwas geschrieben wird. Viel interessanter ist da schon sein Blog auf dem er erklärt, warum er gegen Wikileaks ist. Das alles zusammenzufassen dürfte den Rahmen sprengen, aber jeder sollte sich da mal reinlesen, wenn ihn dieser Konflikt interessiert.

Auch gibt es bereits zwei Videos, in welchen Jester seine ominöse “Cyber Waffe” XerxeS demonstriert.
1. Video bei infosecisland.com
2. Video auf infosecisland.com

Zum Abschluss noch ein kleiner Schmankerl. Anscheinend hat Anonymous eine Pressemitteilung veröffentlicht, in welcher erklärt wird, warum sie das tun, was sie tun und was sie damit beabsichtigen und was sie nicht beabsichtigen. Außerdem noch eine kleine Aufklärung bezüglich den Amazon Attacken…oder eher nicht Attacken.
AnonOps The Press Release (PDF)

greez Web

2 Antworten

  1. Anthony M. Freed

    To see the interviews with the hacker known as The Jester who initially took out the WikiLeaks site, including two videos of his XerXeS DoS attack tool in action see the following posts:

    https://infosecisland.com/blogtag/427/Jester.html

  2. keepaway » Blog Archive » Anonymous und der ominöse Jester | My Wikileaks

    [...] hier den Originalbeitrag weiterlesen: 15 – keepaway » Blog Archive » Anonymous und der ominöse Jester [...]